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1. Nach den ersten Monaten des laufenden Jahres: Welche Zwischenbilanz würden Sie für die KEP-Branche ziehen?
Die Branche entwickelt sich uneinheitlich. Während das Expressgeschäft trotz unruhiger Entwicklung einen positiven Trend zeigt, dem auch der Irakkrieg nichts anhaben konnte, ist das Inlandsgeschäft schwierig. Wir bewegen uns nach wie vor in einem problematischen wirtschaftlichen Umfeld mit gering steigenden Mengen und einer nicht zufrieden stellenden Preisentwicklung.
2. Welche wesentlichen Trends zeichnen sich aktuell für 2003 ab?
Wesentliche Merkmale, die das Jahr aus unserer Sicht kennzeichnen, haben sich bereits im Frühjahr gezeigt. Es ist geringes Mengenwachstum im Inlandsgeschäft verbunden mit der Frage, ob das Expressgeschäft von Exportimpulsen profitieren kann. Wir sehen in jedem Fall Angleichungen des Preises an gestiegene Kosten und höhere Wertschöpfung. Die Mauteinführung und höhere Ausgaben für Betriebsstoffe sowie höhere Kosten aufgrund neuer Sicherheitsanforderungen unterstützen diesen Trend.
3. Welche Trends sehen Sie längerfristig für die KEP-Branche?
Deutschland ist ein hochentwickeltes Land mit einem derzeitig weitgehend gesättigten Inlandsmarkt. Wir sehen daher eher Chancen in Qualitätsverbesserungen durch weiter zunehmende Technologisierung. Sie wird mit höheren Informationsgehalten eine stärkere Verbindung zwischen Prozessen des Kunden und der jeweiligen Dienstleister hervorbringen. Insgesamt spielt die Musik allerdings eher in der europäischen Vernetzung und der weiteren Internationalisierung der Branche. Damit verfolgt die KEP-Branche konsequent den eingeschlagenen Weg, der sich auch bei Industrie und Handel seit längerem abzeichnet.
4. Wie fällt Ihre Prognose für das gesamte KEP-Jahr 2003 aus?
Eine Gesamtprognose nach einem Quartal abzugeben, fällt naturgemäß schwer. Allerdings sind die derzeitigen Vorraussagen für die Gesamtwirtschaft, wie etwa die aktuelle Maiprognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft, eher düster. Trotzdem gehen wir im Inland von einer stabilen Geschäftsentwicklung aus. Im Bereich Express, der stärker international ausgerichtet ist, hoffen wir auf eine zunehmende Auslandsnachfrage. Internationale Expressprodukte tragen dazu bei, das Wettbewerbsgefälle zwischen In- und Ausland schnell und sicher zu erschließen. Sie können die Auslandsnachfrage schnell befriedigen und profitieren daher von dieser Entwicklung.
5. Welchen Einfluss hat die allgemeine konjunkturelle Entwicklung auf die KEP-Branche?
Es gibt zwei Einflussgrößen, die in einer engen zeitlichen Abfolge stehen: Einerseits führt die nachlassende Konjunktur zu verringerten Handelsströmen und damit Margendruck. Andererseits profitieren KEP-Dienste vom Outsourcing: Unternehmen prüfen gerade in wirtschaftlich schwierig Zeiten ihre Logistik und passen diese an die kleinteiligere Nachfrage an. Dadurch werden wiederum Volumensverluste ausgeglichen.
6. Was stimmt Sie hinsichtlich des kommenden Jahres 2004 optimistisch, wo sehen Sie Wachstumshemmnisse und Probleme?
Optimistisch stimmt uns, dass die EU-Osterweiterung den Unternehmen erweiterte Geschäftsmöglichkeiten bietet und die Vorratslager der produzierenden Industrie unserer Meinung nach zu einem sehr geringen Maß gefüllt sind. Daraus ergeben sich für KEP-Dienste sofortige Wachstumsimpulse bei ansteigender Güternachfrage. Hinzu kommt, dass nach mittlerweile mehrjähriger Zurückhaltung die Unternehmen zu Investitionen und Erneuerungen gezwungen sein werden. Der Zeitpunkt der dann ansteigenden Nachfrage ist zwar schwer abzusehen, aber er kommt näher. Zu
Wachstumshemmnissen können zunehmende Reglementierungen elementar wichtiger Transportmittel führen. Deswegen beobachten wir mit Sorge die Diskussion um Nachtflug und die Pläne zur Reglementierung von Lieferfahrzeugen (Geschwindigkeitsbegrenzung).
7. Der Luftverkehr ist für die Expressdienste und für deren Kunden von überragender Bedeutung. Lässt sich diese Bedeutung in Zahlen ausdrücken: Wie hoch ist der Anteil an Luftfrachtsendungen im KEP-Segment derzeit und welche Entwicklung ist mittel- und langfristig hier zu erwarten?
Der Luftverkehr ist in der Tat von überragender Bedeutung für das Angebot von Expressdiensten. Grund dafür ist die stärkere internationale Ausrichtung von Expressleistungen, verbunden mit der Zeitsensitivität, die diese Dienstleistung kennzeichnet. Das Flugzeug ist da das einzig mögliche Transportmittel. Der BIEK bereitet derzeit eine Studie zu diesem Thema vor, da derzeit Kennzahlen nicht vorhanden sind. Wir sehen mittel- und langfristig aufgrund der zunehmenden Europäisierung in diesem Bereich die stärksten Wachstumseffekte.
8. Welche Position vertritt der BIEK hinsichtlich der geplanten Nachtflugverbote? Würde dadurch nicht der Standort Deutschland empfindlich zurückgeworfen?
Der Luftverkehr ist nicht nur für die Expressunternehmen sondern noch vielmehr für deren Kunden von größtem Interesse. So verständlich wie die Bemühungen der Gemeinden um Lärmminderung sind, so notwendig ist doch die Übernacht-Abfertigung von Expresssendungen. Die Effektivität des Standortes Deutschland würde erheblich leiden, wenn aufgrund von Nachtflugverboten auf andere internationale Drehkreuze ausgewichen werden müsste. Es liegt daher im Interesse der Politik und der Wirtschaft, tragfähige Kompromisse zu finden. Die Expressindustrie hat einen wichtigen Beitrag durch den Einsatz von lärmarmem Fluggerät geleistet. Darüber hinaus sind Zielsetzungen, durch Aufgabenteilung weit entfernte Flughäfen als Systeme miteinander zu verknüpfen, sachfremd und lediglich an der besseren (öffentlichen) Vermarktbarkeit von Passagiertransporten orientiert.
9. Welchen Einfluss auf die Entwicklung in der KEP-Branche erwarten sie von der Maut in der geplanten Form? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?
Die beschlossene Maut wirkt sich ebenso als Kostentreiber aus wie die jährliche Erhöhung der Ökosteuer. Eine notwendige Zweckbindung der Mittel findet nicht statt.
Die vorgesehene Kompensation ist nicht ausreichend, um auch nur in Ansätzen die durch die LKW-Maut zusätzlich entstandenen Belastungen des deutschen Transportgewerbes auszugleichen. Die durch die Maut entstehenden Kosten müssen an die Kunden weitergegeben werden.
Die Maut bietet in der derzeit geplanten Form eher Nachteile, da die Chance zur Harmonisierung der Transportkosten in Europa nicht genutzt wird. Zusätzlich werden durch den einheitlichen Steuersatz wünschenswerte Steuerungseffekte nicht in Anspruch genommen. So ist z.B. derzeit keine Differenzierung zwischen Tag- und Nachtverkehren sowie nach regionaler Nutzung vorgesehen.
Ein weiteres Ziel der Bundesregierung – durch Erhebung der Lkw-Maut eine Verkehrsverlagerung von Gütern auf die Schiene zu erreichen, ist in Bezug auf die KEP-Unternehmen unrealistisch und negiert die derzeitige Situation auf den Transportmärkten. Eine derartige Verlagerung ist auf absehbare Zeit nicht möglich, da die Angebote der Bahn fehlen, um Schnelligkeit, Lieferzuverlässigkeit und Flexibilität gewährleisten zu können. Der Ausbau der Straßentransportkapazität durch die Deutsche Bahn selbst unterstreicht, dass die Bahn die Entwicklung ähnlich beurteilt.
10. Die EU wird erweitert: Erwarten Sie dadurch einen Schub für die Konjunktur auch im KEP-Bereich?
Ja, ganz sicher. Die EU-Osterweiterung bietet für KEP-Unternehmen eine Erleichterung durch wegfallende Zollgrenzen. Durch die Realisierung des Binnenmarktes in der derzeitigen EU 1993 war Effekt zu beobachten, dass bei Anstieg der Verkehrsmengen sinkende Laufzeiten für die Kunden realisiert werden konnten. Wir erwarten daher einen Schub für unsere Industrie.
Dr. Ralf Wojtek
Vorsitzender des Bundesverbandes Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK)
Hamburg, den 09.05.2003
(gekürzt veröffentlicht im Online-Magazin der Lufthansa Cargo)
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